Der August ist ein geradezu idealer Monat, um eine neue Lifestyle-Kolumne zu beginnen. Überall Aufbruchstimmung! Während wir noch die Wärme der Sommersonne auf der Haut spüren, sind bereits die Herbst- und Winter-Kollektionen ready to shop. Designer, Stylisten, Blogger und die Redakteure der Modemagazine kehren aus den Ferien zurück und bereiten sich fieberhaft auf die Fashion Weeks im September vor oder hoffen, dass ihre September issues alle Gewichtsrekorde brechen. Wäre der August Teil eines Outfits, er wäre der Übergangsmantel, die textile Zäsur zwischen den Saisons. Und wie immer, wenn vor der Catwalk-Hektik ein Moment zum Resümieren und Grübeln bleibt, melden sich leise Zweifel.
In den letzten Wochen lasen wir daher unter anderem, dass Trends passé seien und die Zeit der Streetstyle-Fotos vorbei. Natürlich braucht bloß eine Woche zu vergehen und die Meinungen drehen sich um 180 Grad. Neonfarben würden bleiben, heißt es dann. Es gäbe wahre Muster-Orgien in den Ateliers. Schwarz bleibe the new black, Leder-Leggings wären DAS Outfit-Update - und der Hosenanzug feiere sein großes Comeback.
Letzteres wurde zum Fakt, als Miuccia Prada bei Miu Miu Jackett-Hosen-Kombis zeigte. Adieu A-Linie, wilkommen zurück Powersuit der 1990er. Ein Grauen für die einen, ein Segen für alle Jetsetter und Berufsflieger, die sich noch gut erinnern, das ein unkaputtbarer Hosenazug von Jil Sander oder Giorgio Armani der praktischste 24-Stunden-Look ist. Also: Rein in die Hosen und keine Angst davor, hinterher mit Hillary Clinton oder Angela Merkel verwechselt zu werden. Dafür müsste Frau sich wirklich sehr „vergreifen”.
Miu Miu Herbst/Winter 2012/13 - Chloe Sevigny
Und die „Zeig mir dein Montags-Outfit”-Bilder? Kein Ende in Sicht. Gerade hat Scott Schuman alias The Sartorialist sein zweites Buch („Closer”) mit Aufnahmen von Normalos aus aller Welt veröffentlicht und seine Lebensgefährtin, die Bloggerin Garance Doré, bringt nicht nur eine Kollektion mit Kate Spade New York heraus.
Bluse von Kate Spade & Garance Doré
Nein, sie wird gleich noch Kolumnistin der französischen „Vogue”. Der wiederum hat Chefredakteurin Emmanuelle Alt eine Frischzellenkur verordnet. Das Resultat ist in der aktuellen, 420 Seiten starken Ausgabe zu begutachten: clean, luftig, neue Schriften und Rubrikennamen sowie mehr Porträts. Auf den drei Cover-Varianten: Kate Moss, Daria Werbowy und Lara Stone, die alle im gleichen schwarzen Kleid von Dolce & Gabbana stecken. Derweil verdient sich Ex-„Vogue Paris”-Chefin und Großmutter Carine Roitfeld als MAC-Botschafterin etwas dazu. Ihr „Ich hab mich gestern Nacht nicht abgeschminkt”-Look ist schließlich wie geschaffen für eine eigene Mini-Kollektion.

Auf der anderen Seite des Atlantik wurde Anna Wintour bei der Produktion der „Vogue” zum 120. Jubiläum des Magazins fast ein wenig sentimental. Noch gut kann sie sich an ihr erstes Cover erinnern, das sie 1988 mit Fotograf Peter Lindbergh und Model Michaela Bercu inszenierte. Was hinterher als Geniestreich, als erstes crossover zwischen Haute Couture (Lacroix) und Mainstream (Guess) beklatscht wurde, war, so Wintour, purer Zufall: „Michaela war vor dem Shooting bei ihren Eltern in Israel gewesen, hatte etwas zugenommen - und passte einfach nicht in die Hose zu Lacroixs Jackett.” Der Rest ist Mode-Geschichte.
Der August bedeutete leider nicht nur Abschied von Sandaletten und Shorts in den Regalen. Mit dem Tod der unnachahmlichen Anna Piaggi (✝81) ist die Modewelt um eine der letzten wahren Legenden ärmer. Wer das Glück hatte, am Laufsteg hinter oder gar neben ihr zu sitzen, der lief Gefahr, sich statt des Defilees auf ihre wundervoll exzentrische Garderobe zu konzentrieren. Sattsehen war unmöglich, schließlich besaß die Stylistin und Redakteurin (u.a. italienische Vogue) eine Fashion-Sammlung, die über 200 Jahre und fast 3000 Kleider umfasste. Karl Lagerfeld, ein bekennder Fan von La Piaggi, sagte einmal über sie: "Sie kleidet sich wie ein Schauspielerin für eine Rolle. Nur, dass sie außerdem das Stück schreibt."


Anna Piaggi
Eine erfrischend nerdige Model-Newcomerin ist die 19-jährige Charlotte Free aus Los Angeles, die beim Gamen in einer Daddelhalle entdeckt wurde. Jetzt ist sie bei IMG unter Vertrag, gehört zur Gang um Star-Fotograf Terry Richardson und postet auf ihrem Tumblr Bilder von grünen Dingen wie Frösche, Chamäleons und wirres Alien-Zeugs. Ihr liebstes Videospiel: „The Legend of Zelda: Ocarina of Time”. Ihre Lieblingsserie im TV: „Regina Regenbogen”. Ein richtiges Retro-It-Girl also.
Charlotte Free
Auch neu im August: der Hamburger Store von Designer und Fashion Week darling Kilian Kerner, die deutschen Magazine „Flair” und „Cover”, der Duft „Coco Noir” von Chanel und die Wahnsinns-Foundation „Touche Éclat” von Yves Saint Laurent.
Hamburger Store - Kilian Kerner
Das war sie auch schon, die erste Folge von This Month in Style mit einem rasanten Galopp durch die Fashion- und Lifestyle-Schlagzeilen des vergangenen Monats. Ich hoffe, ihr fühlt euch jetzt für jeden Party-Smalltalk bestens gerüstet.
Bis in vier Wochen. Stay stylish.
Foto: Getty Images, Kate Spade New York, Charlotte Free, Kilian Kerner, Vogue US.