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MBFW Tag3 - Siems Luckwaldt: Härtetest

Der Morgen nach der Michalsky StyleNite ist ein Härtetest für das eigene Beauty-Arsenal: Mit welchen Splashs, Lotionen und Feuchtigkeitsgels kriegt man sich bloß wieder in eine Tageslicht-taugliche Form? Doch der Reihe nach. Auch an Tag 3 der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin gaben sich die (Fach-)Besucher deutlich weniger gestresst, als sonst - dafür umso genussvoller - dem Modezirkus hin. Er begann mit der Show von Anja Gockel, deren treue Kundinnen für einen Platz am Catwalk gern längere Reisen auf sich nehmen. Fashion als Kurztrip-Happening.

Nach der Präsentation von Marc Philippe Coudeyre im beliebten Studio-Bereich zeigte das Label Blacky Dress - um zur Mittagszeit einer echten Entdeckung die „Arena” zu überlassen: Hannes Kettritz. Der junge Menswear-Designer punktete mit einer puristischen Sommerkollektion, die trotz der bunt geschminkten Augenbrauen seiner Models alles andere als verspielt war. Nein, was Kettritz zeigte - darunter ein präziser flaschengrüner Wildlederblouson, knackige Shorts und ein elfenbeinfarbener moderner Hochzeitssmoking - war im besten Sinne ready to wear und könnte direkt vom Laufsteg in den Laden!

Marc Philippe Coudeyre: Studio - Mercedes-Benz Fashion Week Spring/Summer 2013

Das junge Label MALAIKARAISS zeigte „off site”, und das war für viele eine zeitliche Herausforderung angesichts der (Über-)Fülle im Schauen-Programm. Eine Fashion Week zwingt den rasenden Reporter leider täglich zu harten Timing-Entscheidungen.

Malaikaraiss: Runway - Mercedes-Benz Fashion Week Spring/Summer 2013

Präsentiert von Mercedes-Benz und dem Magazin „Elle” sahen wir dann am frühen Nachmittag ein weiteres Highlight dieses überraschend spannenden Donnerstags. Der sympathische Kanadier Steven Tai, der jüngst erst das Modefestival in Huyères gewann, verzauberte uns mit seiner textilen Interpretation von Bücherwurm und Leseratte: Kunstvolle Avantgarde-Kleider, die aus dicken Stapeln von Stofflagen (wie Buchseiten) konstruiert waren und vor unseren Augen zu entstehen oder bereits zu zerfallen schienen. Ein Outfit aus sich elektrisch bewegenden goldenen Füllfedern sorgte für ein deutlich hörbares „Wow” im Publikum.

Steven Tai: Runway - Mercedes-Benz Fashion Week Spring/Summer 2013

Publikumsliebling Kilian Kerner, wie immer musikalisch live begleitet von Sänger und Kerner-„Spezi” Ben Ivory, widmete sich dem Thema Freiheit und schien sich selbst insbesondere bei seiner Damenmode freigeschwommen zu haben. Durch die Kollektionen for him and her zogen sich grelle Neon-Akzente. Angenehm auch: Humorige Elemente wie etwa sich küssende Fische auf Männerpullovern oder knallige Accessoires wie Vinylrucksäcke oder MacBook-Cases. Alle Models trugen (schmelzende) Eiswürfel an goldenen Ketten um den Hals - auch beim Styling der Show also ist Kerner noch entspannter geworden, und das tut ihm und seiner Mode gut.

Killian Kerner: Runway - Mercedes-Benz Fashion Week Spring/Summer 2013

Statt zu, Design-Duo Perret Schaad pilgerte ich zum denkmalgeschützten Babylon-Kino, wo Designer Patrick Mohr einen Modefilm mit Bonnie Strange und Wilson Gonzales Ochsenknecht uraufführte. Ein schräg-schönes, düsteres Werk, irgendwo zwischen „Phantom der Oper” und „Eyes Wide Shut”. Die stehenden Models in der Location trugen eine Kollektion mit frischen Prints und Unisex-Taschen, die bei mir akute Kaufreflexe auslösten. Bravo!

Während Frida Weyer ihren Sommer 2013 im Zelt an der Siegessäule präsentierte, hieß es für viele jetzt: umziehen für die StyleNite von Michael Michalsky im Tempodrom. Der Designer gönnte seinen Männer- und Frauenkollektionen diesmal getrennte Shows und bestritt den Abend somit modisch solo. Wie immer bewies Michalsky auch beim musikalischen Rahmenprogramm Trendgespür: Sowohl das Streichquartett Eklipse (mit Cover-Versionen von Pophits wie „Sweet Dreams” von den Eurythmics) und auch die Elektro-Dance-Combo Blitzkids waren echte Volltreffer. Zur Mode: Wer sich steifer Business-Garderobe verweigert und eher 24-Stunden-Outfits bevorzugt, der kommt an Michalskys Menswear kaum vorbei, die erneut Präzision hinter betonter coolness verbarg. Spot on dann auch die zarten Blumenprints bei den Damen (darunter, quelle scandal, ein hochschwangeres Model), Jäckchen mit aufgenähten Kristallblumen, Hosen in Mint-Metallic und eine Robe mit schwarzem Lederbustier und eingearbeitetem Ornament-Gürtel. Ein ausgewogenes Portfolio, über dass sich die Mehrheit im Publikum bei der anschließenden Party positiv äußerte.

Michael Michalsky: Tempodrom - Mercedes-Benz Fashion Week Spring/Summer 2013

Ob sich allerdings heute noch alle an die gestrige Nacht erinnern, ist fraglich ... Bis morgen, zum Finale!

Fotos: Getty Images

MBFW Berlin/ Tag 3 - Tipp des Tages von Mary Scherpe


Der kurzen Nacht wegen empfehle ich für den Start in diesen Tag einen Kaffee im The Barn (Auguststraße 58, Mitte) oder zum Auffrischen ein Eis in der Geschmacksrichtung „Salziges Karamell“ bei der besten Eismanufaktur der Stadt (Auguststraße 63, Mitte)!

Am Abend findet dann der Magazin Launch von Some/Thing im Darklands (Heidestraße 46-52, Mitte) statt oder man schaut sich die studentischen Abschlussentwürfe der Weißensee Kunsthochschule in der Gemäldegalerie (Matthaikirchplatz, Tickets 12/18 Euro)

BY INVITATION ONLY:

Trotz kurzer Nacht, empfehle ich für den Start in diesen Tag Marc Philippe Coudeyres „Paradise Lost“ Präsentation im Studio des Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Zelts an der Siegessäule. Danach geht es weiter zu Malaika Raiss in die Villa Elisabeth (Invalidenstraße 3, Mitte) geht. Sie hat Großes vor, so flüsterte sie mir.

Am Abend drehen wir dann noch mal auf und schaffen es sowohl Perret Schaad im Zelt als auch den großartigen Wettbewerb Start Your Fashion Business zu sehen. Der Wettbewerb glänzt mit drei hervorragenden Teilnehmern, Blaenk, Blame und Sissie Goetze (ich würde mein Geld wohl auf Blame setzen) und findet in der wunderschönen Parochialkirche (Klosterstraße 67, Mitte) statt. Und im Anschluss auf der Michalsky Stylenite im Tempodrom (Möckernstraße 10, Kreuzberg) zu den Klängen von Tiefschwarz.

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