Keine Ahnung, wie oft ich in den letzten Wochen in meiner Inbox vom Frühling gelesen habe. Lesen musste. Der sei ja bald da, hieß es. Es blieb jedoch bei maximal acht Grad. Dann, zögerlicher: Er käme sicher bald. Es würde nicht mehr lange dauern ... Ein Wunder, dass keine E-Mail nach dem Öffnen „Veronika, der Lenz ist da” trällerte.
Dabei wartete ich auf Wichtigeres als Krokusse, Vogelgezwitscher und den ersten Espresso im Freien: neue Schnitte, Farben, kreative Köpfe, innovative Label - kurz: eine „Spring Fashion Revolution”. Nicht zu viel verlangt, oder?! Doch wie bei den Gänseblümchen im Vorgarten musste man dafür gaaaaanz genau hingucken. Habe ich gemacht und präsentiere euch meinen persönlichen April-Rückblick.
Let‘s get started zu den beats von DJ Love aus Dallas: „Waiting for a Revolution”
Like China in My Hand
Nein, gemeint ist nicht der boomende Luxusmarkt in Fernost, sondern Gucci-Mutter PPR. Der Konzern möchte sich nämlich ein Porzellanhaus zulegen. Und zwar nicht irgendeines: Von den Schüsseln, Tellern und Tassen der Manufaktur Richard Ginoris - 1753 in Florenz gegründet - speisten die High Society - und der Papst. Klappt alles, dann soll es bald auch feinstes Gucci- Geschirr geben. Und wo wir gerade beim Firmen-Shopping sind: Der Juwelier Pomellato (inkl. der Kids-Linie Dodo) soll auch bald zu PPR gehören. Noch keine News dazu, ob uns Schauspielerin Tilda Swinton als Pomellato-Werbegesicht erhalten bleibt. Ich hoffe doch!
Flashback
Als der juristische Teil des Dramas um Ex-Dior-Diva John Galliano weitgehend abgeschlossen war, tauchte der Designer ab. Und dann wieder auf. Als Schneider des Hochzeitskleides von Kate Moss. Kürzlich machte er in Manhattan auf sich aufmerksam - als Hospitant bei Oscar de la Renta. Vermittelt hatte das „Praktikum deluxe” Anna Wintour. Nun geht Galliano unter die Lehrer: An der Parsons The New School of Design in New York unterrichtet er bald eine Master Class unter dem Titel „Show Me Emotion”. Dass er das gut kann, wissen wir ja.

Ja, ich will
Eine erste Entdeckung des Frühlings war für mich die kanadische Accessoire-Marke Want Les Essentiels de la Vie. Langer Name, tolle Taschen! Bereits 2006 starteten die Zwillinge Byron und Dexter Peart (s.u.) mit ihren so praktischen wie eleganten bags für Laptops und iPads, mit Weekendern, Visitenkartenetuis und Handschuhen.

Kein Wunder, dass die Designs „sitzen”: Die Brüder halfen mit ihrer Kreativagentur bereits Acne, Nudie Jeans und Filippa K, in den USA Erfolge zu feiern. Jetzt schalten sie selbst einen Gang rauf: Der erste Pop-up-Store öffnet im Mai im The Standard Hotel Hollywood seine Tür, im Herbst folgt ein Online-Shop.

Auf dem Olymp
... seines Schaffens ist Designer Riccardo Tisci angelangt. Vielleicht auch nur auf einem Zwischenplateau, denn ausgepowert wirkt er keineswegs. Sein Herbst und Winter 2013 für Givenchy (Foto) riss Laufstegpublikum zu Beifallsstürmen hin, schon seit Jahren gilt Tiscis Stilwelt mit ihren (kleidsamen!) Attacken gegen den Status Quo als genial. Passend, das Riccardo Tisci Gastgeber des hochkarätigen Balls ist, mit dem das Metropolitan Museum of Art die Ausstellung „Punk: Chaos to Couture” eröffnet. Tisci über die Punk-Bewegung: „Ich weiß, dass ich schöne Mode für eine Show entwerfen kann. Aber warum nicht die Leute gleichzeitig etwas zum Nachdenken anregen? Das ist für mich Punk. Eine Lebenseinstellung - frei sein, ehrlich sein.”

Zerbrechlich stark
So langsam spürte ich sie nun, die vibes von Aufbruch und Neuerfindung. Ein fantastisches Beispiel dafür ist die Schmuckkunst von Nadja Marcela König. Ihr Label Namami verbindet Romantik mit Futurismus. Etwa in der Kollektion „Anthems to the Fading”, eine Ode an das Vergängliche. Zarte Papiergebilde hat die Designerin (Escada Sport) mit einem Spezialkunststoff überzogen, der die filigrane Gestalt erhält und das Mini-Origami haltbar macht. Modern und märchenhaft!

Vroooooom!
Der italienische Malenotti-Clan bleibt der biker fashion treu. Nach Belstaff, im letzten Jahr verkauft an den Konzern hinter Calvin Klein, wollen die umtriebigen Brüder Manuele und Michele jetzt mit der britischen Motorradmarke Matchless modisch Gas geben. Neben kernigen Lederjacken für Ladys und Gentlemen soll es sogar ein neues rasantes Zweirad geben, denn motor bikes stellt die einst legendäre PS-Schmiede schon seit 1969 nicht mehr her. Erstmal durfte jetzt Fotograf Terry Richardson ran, für den sich Kate Moss auf einem Oldtimer räkelte, den einst Marlon Brando fuhr. Ab Juni ist diese Kampagne weltweit zu sehen.
P.S. Soll sich Heidi (Klum) doch mit den Topmodels abplagen, dachte sich Claudia Schiffer vermutlich, ich übernehme den Designnachwuchs. Ab nächster Woche dreht das 42- jährige Supermodel für ProSieben das Reality-Format „Fashion Hero”, bei dem Nachwuchs-Modeschöpfer um ihre große Chance kämpfen. Ich bin gespannt, ob Schiffer uns ihren ersten Moderationsausflug vor 18 Jahren vergessen macht. Die Talkshow „Close up” überlebte damals nicht einmal die erste Folge ...
Wir lesen uns in vier Wochen.
Stay stylish!
By Siems Luckwaldt / Nahtlos!














































































































































Das braut sich was zusammen. Nicht nur über der Ostküste der USA, wo sich die 5th Avenue für den stürmischen Besuch von Hurrikane „Sandy” rüstet. By the way: Warum trägt schlechtes Wetter eigentlich immer Frauennamen? Egal, denn turbulent ging es auch in der Modewelt zu. Höchste Zeit also für einen Rückblick auf den Oktober - in This Month in Style.




















































































