
FLASHBACK
Ehe wir Tag 2 beginnen können, ein wichtiger Nachtrag von gestern - das 10. Saison-Jubiläum von Kilian Kerner. Als sich vor der Show Mireille Mathieu singend von der Akropolis verabschiedet, nimmt die Chanteuse das Styling der Models voraus. Ob Mann oder Frau, alle tragen Mireilles Bob. Und natürlich die Herbst/-Winter-Kollektion des gebürtigen Kölners. Untermalt vom live act Tunes of Dawn, die auch ein Lied aus Kerners Feder performen, gefällt vor allem die Männermode. Über die gibt es eigentlich immer gleich Gutes zu berichten: perfekte Hosenschnitte, wie angegossen sitzende Sakkos - alles, was man(n) braucht. Ob transparente Vinylmäntel, 3D-Tops aus Leder oder funky Lunchbag-Handtaschen, auch die Damen hatten Grund zur Freude. Stirnrunzeln dagegen bei einem zylindrischen Reifrock aus gestapelten Stofflagen. Solche Leistungsschau-Stücke hat Kerner gar nicht nötig. Vielleicht sollte er sich den eingestrickten Spruch (s)eines Pullovers zu Herzen nehmen: „I think too much”. Anyway, happy birthday, KK!



Während zu später Stunde dann gleich drei rumänische Designer ihre Mode zeigten (u.a. Stephan Pelger), nutzte ich die Gunst der (ruhigen) Stunde für den Bericht von Tag 1. Im Hotelzimmer rasch noch ein paar Fotos beschriftet und ein Glas Weißwein aus der Minibar. Kleine Freuden. Doch jetzt rasch „weitergeblättert” zum Mittwoch am Brandenburger Tor.
HIDDEN GEMS
Es ist stets eine treue Fan- und Kundinnengemeinde aus dem In- und Ausland, die die Ränge von Anja Gockels Modenschau füllt. Der Hahn, dessen Krähen den Startschuss gibt, hatte heute allerdings verschlafen, es war eher zwanzig nach 10 Uhr als das Defilee farbenfroher Entwürfe begann. Gockels Mode bleibt nichts für modische Angsthasen, doch zwischen all den Farbexplosionen, dem Flaschengrün, dem Violett, den bunten Tweedjäckchen und Blumenprints steckten echte Perlen. Allen voran ein senfgelbes Wollkleid mit wunderschöner seitlicher Raffung, Samtkleider mit geometrischen Mustern und zweitem Layer aus halbtransparentem Tüll sowie dreieckige Ponchos mit color blocking.



Franziska Michael? Durch einen backstage Ausflug zu Anja Gockel leider verpasst. Im öffentlichen Bereich des Catwalk-Zeltes wickelt Micaela Schäfer die Fotografen um den Finger. Auf die Frage, von wem ihr Feder-Nieten-Outfit stammt, sagt die Irgendwie-Prominente bloß: „Das hat meine Stylistin ausgesucht.” Na dann.
FLAMING RED
Starke Kaufreflexe erzeugt die Show von Blacky Dress Berlin. Die Inszenierung zackig, die Schnitte z.B. der jeggings knackig, die Musik sehnsüchtig (u.a. „I wanna be your Man” von Willy Moon). Wir merken uns: den Haarteil-Pferdeschwanz trägt man jetzt im dezenten Kontrastton, die Lippen dunkelrot umrandet und Wolle im Farbton „Mystic Forest” gern in luxuriös fusseliger Mohair-Optik. Klasse: der flammend rote Hosenanzug mit Ton-in-Ton-Pullover. Wie ein rechter Haken von Regina Halmich, die in der ersten Reihe saß. Mein Musiktipp aus der Show: „Lovesick” von Lindstrom & Christabelle.



BRONZE LACE
Jorge González UND Bruce Darnell in einer Show? Na, da sollte ja zumindest kein Model stolpern bei Minx by Eva Lutz. Und das gute Karma der Model-Coaches wirkte. Auch im Publikum: die Schauspielerinnen Dennenesch Zoudé, Sabine Postel, Christine Neubauer und Sonja Kirchberger sowie die Moderatorinnen Caroline Beil und Annabelle Mandeng. Alle zusammen sahen sie im Finale Franziska Knuppe in einem traumhaften Kleid aus bronzefarbener Spitze.

GIRLS JUST WANT TO HAVE ...
Als Teenager der 1990er liegen mir Neonfarben natürlich sehr am Herzen. Und mit einem abstrahierten Leopardendruck als Untergrund machte das Label Barre Noire von Timm Süssbrich daraus wirklich einen modischen Frischekick. Und das Beste am Studio der Fashion Week ist, dass man als Fotograf und Blogger gleich fast ein eigenes Shooting daraus machen kann.


SIBERIAN GLAM
Eisiger Wind fegte durch die Lautsprecher, man hörte Eis knacken. Nicht nur Jette Joop, Mirja Du Mont und Verena Kerth in der front row wunderten sich sicher, wie frostig die Kollektion von Designer Dimitrios Panagiotopoulos und seinem Label Dimitri wohl ausfallen würde. Kein Grund zur Sorge: Eine Dutt-Frisur mitten auf dem Kopf stolzierten viele der Models in üppigen Pelzen auf den Laufsteg. Viel spannender: der Inside-out-Mantel, der Uniformmantel in Eisblau und und das petrolfarbene Kostüm aus schwerem, kunstvoll verarbeitetem Leder. Auch ein Stretchkleid mit symmetrischem Print war gelungen, das violette Kleid aus Lametta-Fransen weniger. Hits dafür: die türkisfarbenen Rüschenkleider zum Schluss.




GREEN SHOWROOM
Eine Salonshow gediegenen Stils im Hotel Adlon Kempinski. Gern hätte man genauer gewusst, aus welchen Labels sich die gezeigten Outfits zusammensetzten. Besonders: ein grünes Kleid aus Wollfilz mit oversized Silhouette. Und die (Öko-?)Sonnenbrille! Mehr zum Event hier.

CATSUIT QUEENS
Das Design-Trio hinter Holy Ghost gibt einfach Vollgas. Auch diese Kollektion machte es leicht, sie zu mögen. Das erste Model wurde auf einem Hotel-Kofferwagen auf den Catwalk gerollt. An ihrer Figur lag‘s nicht, die Aktion war ein Showeffekt. Gesichtet u.a.: der Ochsenknecht-Clan minus Uwe und Minh-Khai Phan-Thi. „Where is my Man” fauchte Eartha Kitt im Showsoundtrack. Mit den Stretchkleidern (von oben bis unten gezipped), den fantastischen Catsuits in Seide oder Samt und einem Kauf-mich-Camelcoat aus nudefarbener Wolle und mit Oversized-Kragen dürfte einem Tête-à-tête zumindest modisch nichts im Weg stehen.



Fotos: Getty
By Siems Luckwaldt / Nahtlos!