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Tag Eins: Der Tagesreport unseres Gastbloggers Siems von Nahtlos

Fashion Week January 18, 2012

Der erste Tag der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin - und man kann bereits eines feststellen: Weder den Modenachwuchs noch die in die Hauptstadt gereisten oder hier beheimateten Modeblogger kann man auch nur eine Sekunde beim Nichtstun ertappen.

Während junge Designer wie Alexandra Kiesel (Gewinnerin des Designer for Tomorrow Award von Peek & Cloppenburg Düsseldorf) oder die Mädels hinter dem Label Majaco ihren Catwalk-Debüts entgegenfiebern, letzte Showdetails abstimmen, die eine oder andere Naht versetzen und Models zum hastigen Fitting bitten, wird in jeder Ecke der kleinen Zeltstadt am Brandenburger Tor auf Smartphones, Laptoptastaturen und iPad-Bildschirme eingedroschen. Gefacebooked, getwittert, getumblrt, Schnappschüsse und Kollektionsbesprechungen durch die Datennetze gejagt. Würde man die unermüdliche Energie von Designern wie Bloggern irgendwo bündeln können, Berlin könnte bis zum Wochenende die Atomkraftwerke abschalten und einzig auf Modeleidenschaft als Power-Quelle setzen.


Doch der Reihe nach. Designer Brian Rennie war bester Laune, als ich ihn gestern bei der Anprobe mit Topmodel Franziska Knuppe im Hotel de Rome traf. Weniger Disco als bei der Basler-Show im Juli 2011, dafür mehr Glamour im Stile der Mannequin-Ikonen der Neunziger, deren Nachnamen noch heute den Puls von Fotografen und Fashionistas beschleunigen: Evangelista, Campbell, Seymour ... Das versprach der gebürtige Schotte, der zwölf Jahre lang für Escada filmreife Modemomente schuf.

Der Morgen von Tag 1 begann dann mit ordentlicher Promidichte - bei Escada Sport: Mirja Dumont, Ex-Boxer Axel Schulz, Topmodel Lena Gerke, Event-Queen Ira von Hardenberg, Aktrice Dennenesh Zoudé, InStyle-Chefin Annette Weber in einem erstaunlich coolen Yeti-beim-Après-Ski-Look, It-Girl Poppy Delevigne, Shermine Shahrivar, Escada-Eigentümerin Megha Mittal und Schauspielerin Alexandra Neldel.

Was folgte, war eine Kollektion, die sich zwischen winterlichen Gaucho-Western-Anklängen und romantischen Schoolgirl-Rosenprints nicht recht entscheiden mochte. Vielleicht auch nicht muss. Wir notieren auf jeden Fall schon mal die Gladiator-Pumps mit den gefütterten Schienbeinschonern auf der Wunschliste für den Herbst.

Die gebürtige Grazerin Lena Hoschek huldigte dagegen Edith Piaf - zumindest musikalisch. Ihre Mode blieb der bewährten Mischung aus Sechziger-Office-Eleganz à la "Mad Men", der selbstbewussten Weiblichkeit der 40s und einem Hauch Hillbilly-Fröhlichkeit treu. Die Petticoats waren diesmal deutlich n der Unterzahl, die Schnitte blieben körpernah. Immer wieder nett: Die eingeschworenen und gern großflächig tätowierten Hoschek-Groupies im Publikum.

Wer gespannt auf die Inspirationen hinter der Kollektion von mongrels in common war, wurde nicht enttäuscht. "Stevie Wonder entdeckt Island" - dazu muss einem erst einmal modisch etwas einfallen. Den zwei Designerinnen Christine Pluess und Livia Ximènez-Carrillo, die bereits zum sechsten Mal auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin zeigen, gelang das Experiment. Ihre konzentrierte Mode begeisterte mit drei Farben Blau und raffiniert durchwirkten Oberflächen. Toll: Die Glockenröcke aus plastisch-dickem Seidensatin in Mitternachtsblau.

Das Label Dimitri zeigte aufwändige Plissées, teils etwas zu üppig eingesetzt, Beerentöne und bewies Mut zum (Echt-)Pelz. Das flatterhafte dünne Seidenkleid und die Business-Anzüge merken wir uns dennoch vor.

Mit den Shows von Basler im Hotel de Rome, gleich gegenüber des Fashion-Zeltes, Joop! und Lala Berlin bleibt es gleich am ersten Tag bis zum späten Abend spannend. Mehr zu diesen Events dann morgen an dieser Stelle.

Und jetzt rasch ein Prosecco. Für den Kreislauf. Cheers!

Lieben Gruß, Siems

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