Als sich das erste Model im Laufstegzelt grazil in Bewegung setzt, liegt noch Nebel über der neuen (temporären) Location der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Vorfreude liegt in der Luft, mancher muss sich noch erinnern, wo welcher Sitzblock war – und auf jedem Meter folgt ein großes Hallo und exzessives "Kampf-Busseln". Die Modeszene hat sich schließlich ein halbes Jahr nicht gesehen.

Die Sitzkissen auf den Plätzen deuten es dann bereits an, die Kollektion von Escada Sport wird farbenfroh. Unter den Gästen: Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, Sänger und Fotograf Bryan Adams, Escada-Eignerin Megha Mittal, Schauspielerin Katy Karrenbauer, sämtliche Chefredakteure und Modechefinnen der deutschen Magazinpresse, Starlet Shermine Shahrivar, Topmodel Franziska Knuppe sowie Verleger Florian Langenscheidt.
Modisch channelt Escada-Designerin Madelaine Schäfer das Lebensgefühl und die Farbpalette Kubas und Afrikas. Merke: Ohne Sonnenhut geht nichts im Sommer 2013. Ideal für Ibiza ist der neue Print, der ein wenig an die Aquarell-Version einer Gen-Helix erinnert. An den nordeuropäischen Winter hat Schäfer auch gedacht, es finden sich etliche luftige Grobstrickjäckchen und sogar ein Wollcape mit Fledermausärmeln in ihrem line-up.


Im intimen Studio-Bereich zeigt Yujia Zhai-Petrov mit ihrem Label 1913Berlin, dass sich kreativ noch einiges aus dem Material-Klassiker Kaschmir herauskitzeln lässt. Definitiv ein "label to watch".
Designerin Lena Hoschek haben es diesmal die Toten angetan, genauer die mexikanischen Feiern zu Ehren der Verstorbenen - Los Dias de Muertos. Mit dem Song "Burn the Witch" von den Queens of the Stone Age eröffnet die gebürtige Grazerin ihr Defilee, das sich diesmal deutlich von den traditionellen Gewändern des spanisch Sprachraums inspirieren ließ. Schwarze Spitze (echt und aufgedruckt), bunte Rosen im geflochten Haar - und Hosen, wie sie eine Torera tragen könnte. Kein Traumjob für die Models, die man unter ihrem Totenkopf-Make-up kaum erkannte. Witzig: Die Designerin nahm den Applaus mit einem angeklebten Schnurrbart entgegen.


Der Himmel über dem Fashion-Week-Zelt war mittlerweile strahlend blau und die Kollektion von Rebekka Ruétz lieferte extra Sonne dazu. Beispielsweise mit reichlich fröhlichem Gelb und aufwändigen Lederkleidern, in die Laser exakte Muster gebrannt hatten. Dazu wummerten düstere Trommelrhythmen.

Seinem Ruf als einer, der aus Frauen durch Roben (griechische) Göttinnen macht, wurde Dimitrios Panagiotopoulos mehr als gerecht. Der DIMIMITRI-Sommer 2013 wird so richtig flatterhaft und ist doch streng gegürtet. Vor allem die Schulterpartien mit gewickelten Trägern wirkten wie auf einem antiken Gemälde. Spitze Nieten auf manchem Highheel sorgten für harte Kontraste bei all der softness. Must-have: der butterweiche gelbe Ledermantel.

Franziska Knuppe, TV-Jurorin Dana Schweiger, Schauspielerin Ursula Karven - die Promidichte konnte sich sehen lassen beim Designer for Tomorrow Award von Peek & Cloppenburg Düsseldorf. Zum zweiten Mal unter Schirmherrschaft von US-Designer Marc Jacobs hatte eine Jury im Vorfeld bereits aus 350 Bewerbern eine Top 5 gewählt, deren Mini-Kollektionen nun präsentiert wurden. Unterschiedlicher hätten die Kandidaten nicht sein können, ein mehr als spannender Wettbewerb. Das Rennen machte schließlich der Spanier Leandro Cano, dessen bizarre Mode sofort an Film-Exzentriker Guillermo del Toro denken ließ. Neben mächtig viel Berater-Knowhow gewann Cano zudem eine Modenschau im Januar. Und auf die bin ich äußerst neugierig!
Ehe das Duo Kaviar Gauche seine Entwürfe zeigte und die Show von Hunkemöller by Sylvie van der Vaart in einer Party ihr Finale fand (zu beidem morgen mehr), begeisterte Dawid Tomaszewski sein Publikum, darunter u.a. Schauspielerin Iris Berben. Skulpturaler Strick samt Kristallbesatz, rot gemusterte Satinpluderhosen für Männer und ein grandioser Rock, dessen breite Pailletten von Weiß in Blutrot übergingen. Einfach famos! Dass eine Feder - gehalten mit einem Draht im Mund der Models - das Gesicht der Models optisch teilte - gehörte zum Gesamtkunstwerk unter dem Motto "Metamorphose".




Mehr als genug "Stoff" zum Nachdenken für heute. Bis morgen!
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