Trotz vieler Laufstegshows for men dominierten die Damen den Mode-Monat Februar: Ob Gucci oder Pucci, Prada und Max Mara, Berlinale-Glamour oder Oscar-Roben - überall neue Kleider, it bags und betörende Blickfänger. Wie gesagt, für Frauen.
Ja, auch Männermode gab‘s reichlich zu sehen in New York, Paris, London und Mailand. Doch wie in den Läden, wo Garderobe pour homme meist in den Keller, pardon: das Untergeschoss verbannt wird, war auch in der Presse nach
Calvin Klein,
Giorgio Armani,
Jean Paul Gaultier und
Louis Vuitton Schluss. Der Rest versendete sich.
Deshalb widme ich diese Folge von This Month in Style auf Shopstyle by Popsugar einigen Designern, die radikal ihren eigenen (Stil-)Weg gehen und mit ihren Entwürfen klassische Rollenmodelle aufzubrechen versuchen. Mal subtil, mal plakativ oder gaaaanz düster. Also Scheuklappen ablegen, Neugier auf die höchste Stufe schalten und den Blick rechts und links von der Mitte schweifen lassen. Wir starten!
Früher war alles anders. Vielleicht nicht besser aber wenigstens säuberlich sortiert. Da waren zum einen die Herrenschneider, deren Innovation in neuen feinen Stoffen und raffinierten Schnitten lag. Dann die Designerlabel, die mutiger definierten, wie Männer zukünftig aussehen und sein sollten, jedoch ebenfalls vor allem Anzüge zeigten. Und schließlich die Avantgardisten, die Kleidungsstücke demontierten und à la Frankenstein neu zusammenfügten. Schließlich noch die Street- und Sportswear, besessen von Hightech-Fasern, textiler coolness und bunten Farben.
Solch starre Grenzen gibt es längst nicht mehr. Zweireiher dürfen auch aus Neopren und neonorange sein, während moderne Denimmarken mit der Seriosität des feinen Zwirns und seiner Silhouetten liebäugeln. Sneaker zum Smoking, Daunenjacken aus Tweed, ökologisch korrekte(re) Mode ganz ohne Vollkorn-Flair ... You name it, they‘ve got it.
Einige der in meinen Augen auffälligsten Label für den Trend weg vom Trend seht ihr jetzt:
NEW YORK
Alexandre Plokhov
Der gebürtige Russe war vor dem Start seiner eigenen Linie lange Jahre bei Versace und davor eine Hälfte des Design-Duos Cloak. Die Vorliebe für italienische Handwerksqualität hat Plokhov, der in Manhattan lebt, sich bewahrt. Doch erst als sein eigener Boss kann er sein Faible für die schaurige Schwarz/Grau-Palette richtig ausleben. Plokhov zeigte runde Schultern, voluminöse Hosen, Mäntel mit Fledermausärmeln und Materialien wie gekochte Wolle und mehrfach gefärbte Oberteile.
Für Fans von Gruselautor H.P. Lovecraft und subversivem Gothic-Pop.
Siki
Scharf wie ein Rasiermesser waren nicht nur die Frisuren des Labels Siki, sondern auch die Schnitte und Farbkombinationen. Der Designer Siki Im, vor zwölf Jahren von Köln nach New York emigriert, spielte mit den Proportionen, setzte Capes und „Schürzen” ebenso ein wie hohe Krägen, Parkas und Leder.
Für Fans von Technobeats und Johnny Depp.

Hood by Air
Das Kind im Mann stand im Mittelpunkt der Kollektion von Shayne Oliver, in der er sich mit edel interpretierten Ghetto-Insignien, Tribal-Details und Hiphop-Sweatern austobte.
Für Fans von "Der Prinz von Bel Air"

Band of Outsiders
Man muss die herrlich nerdige Mode von Scott Sternberg, mastermind hinter Band of Outsiders, einfach mögen. Passenderweise inszenierte er seine Show in NYC als Schnitzeljagd, auf der die Models in passend schrägen Locations wie der Momofuku Milk Bar oder dem Lego Store „einfielen”. Der Look dazu: Cordsakkos mit leuchtenden Hemden darunter - und Krawatten, bedruckt mit einer U-Bahn-Karte.
Für Fans von Filmen wie "Superbad", "Moonrise Kingdom" oder "Napoleon Dynamite"

Jeremy Scott
Von diesem enfant terrible, das sich ja auch schon im Dienste von Adidas um modische Schockeffekte kümmert, erwarten wir nichts anderes als Outfits, die endlos retweetet werden. Auch diesmal enttäuschte Scott sein Publikum nicht: Leo-Hosen, wilde Webpelz-Applikationen und immer wieder grimmig illustrierte Gesichter auf Pullovern und Jacken.
Für Fans von Spongebob und LSD
LONDON

Katie Eary
Wäre Gianni Versace als Frau wiedergeboren worden, er hieße jetzt Katie Eary. Statt Medusa-Köpfen und güldenen Ornamenten setzte Eary allerdiengs auf laute Rosen-Prints auf Neopren-Motorradjacken und Sweatshirts - sowie T-Shirts mit gedruckten Haien.
Für Fans von Nicki Minaj und Dsquared2

MAN
Ich hatte euch „schräg” versprochen, hier kommt super-schräg! Die Design-Kollektive MAN, angetrieben von Agi & Sam ließ diesmal stilistisch den britischen Adel gegen britische Bauern antreten. Aus beiden Gesellschaftsschichten bediente sich die Mode der zwei, die kreativ von Kollegen wie Craig Green (s. den Look „Holz vorm Kopf”) und Astrid Andersen (s. Look „Sporty Methusalem”) unterstützt wurden.
Für Fans vonInstallationskunst und Baumärkten
Juun.J
Der junge Koreaner ließ farbenfrohe Manga-Monster über Bomberjacken kriechen (Zeichnungen: Greg Simkins) und verausgabte sich fast bei den elfenbeinweißen Mänteln mit etlichen dicken Stoffschichten.
Für Fans von japanischen Comics und extrem warmer Garderobe

Tillmann Lauterbach
Vor eigenen Bildern zeigte der Deutsche seine konzentrierte Männermode in zartem Grau, Beigebraun und Terrakotta. Die Sakkos liehen sich Kimono-Attitüde, die Reißverschlüsse darf man bei Lauterbach deutlich sehen und die Filzmäntel wurden in Österreich gefertigt. Intellektuell, keine Frage, aber zugleich warm und zugänglich. P.S. Ja, Heiner ist sein schauspielernder Halbbruder.
Für Fans von Martin Marghiela, Jil Sander - und COS

Giuliano Fujiwara: Aus Schwarz auf Schwarz so viele spannende Experimente herauszukitzeln, dafür gebe ich Creative Director Sergio Daricello gern mal einen Espresso Macchiatto aus. Blazer mit „eingebauter” Lederweste sorgten ebenso für Überraschungen wie das edel-subversive Styling der Models.
Für Fans von "Matrix" und "Men in Black"
In einem Monat geht aus dann mindesten unisex wenn nicht gar mit einem Frauen-Special weiter.
Fotos: Getty, Juun.J, Band of Outsiders, MAN, Craig Green, Astrid Andersen
By Siems Luckwaldt / Nahtlos!